tag 31: ... RING RING RING! Willst du mich bezwing'n? Ich fühle mehr als ich sollte!

Ich hatte keine Ahnung, was ich auf Silvester machen sollte. Jederman ist weg und partytiert lustig am 31. durch die Weltgeschichte, nur ich sah mich vor meinem inneren Auge wieder auf dem Sofa sitzen, in die Glotze starrend und ein wenig an Bridget Jones erinnernd, ein Film, den ich im Übrigen trotz seiner banalen Hollywoodattitüde echt gut find. Wie gesagt, ich habe ja einen unglaublichen Hänger zu dummen Sachen, möglichst unintellektuell und fragwürdig in ihrer Ausführung, doch ich denke, jeder normale Mensch sollte sich einfach mal vor den Fernseher pflanzen dürfen, um Gerichtssendungen anzuschauen oder vielleicht auch Bridget Jones, der, wenn ich es mir recht überlege, überhaupt nicht doof ist – mal abgesehen von Hugh Grant, der wie in jedem Film mindestens zehn mal die Mimik eines Schraubglases annimmt, wenn er im Verzeihung heischend die Augenbrauen hochzieht und sich seine Stirn in die saubersten Falten der Filmwelt legt.

Silvester.    ...   Ein Fest der Knaller, des Alkohols und der erzwungenen Partylaune. Exzessiv werden Sektflaschen beim Countdown geschüttelt, um sie nachher in einem kollektiven Knall aus der Flasche fahren und dem Vordermenschen erstmal in das fertige Gesicht düsen zu lassen, danach wildfremden Menschen um den Hals zu fallen, prompt die gesamte Weltsituation wunderbar feiernswert zu finden und allem, das sich bewegt, ein glückliches neues Jahr zu wünschen. Bis jetzt habe ich mich gegen dieses Wünschen geweigert, denn meistens sind es nicht alle, denen ich ein frohes neues Jahr wünschen will, sondern nur einige wenige, die noch keine Flasche geschüttelt oder Korken in die Klappe bekommen haben.

Nun soll es sich nicht so anhören, als möge ich keine Festivitäten - im Volksmund auch Partys genannt – und wäre ein eingefleischter Sesselpfurzer oder eine aggressive Couchpatatoe. Vielleicht erscheint mein Leben den Unwissenden öde, trist oder gar langweilig. Ich sehe mir den größten Schrott im Internet oder am Fernsehen an, telefoniere höchst ungern, kann stundenlang vor irgendeiner Arbeit hocken und Spaß dabei haben, trinke selten was und wenn, dann wenig, rauche nicht(s) und mache auch sonst keine provokativen Dinge, die manch andere in meinem Alter tun oder wahrscheinlich schon hinter sich haben. Aber ich find mich nicht langweilig, beim besten Willen nicht, ich finde die anderen leben einfach nur penetrant aufgesetzt, künstlich und so reizüberflutet, dass ich mich nicht wundern würde, dass jene aufregende Leben nicht so enden wie die des Pete Doherty, zerschunden durch die eigenen Waffen. Das war übertrieben.

Nun, was werde ich tun an Silvester? Auf der Couch sitzen, Bridget Jones gucken und einsam essen? Oder auf eine Hyperparty gehen, Korken ins Gesicht bekommen und gemeinsam mit einem Haufen Anonymer Häppchen verschlingen? Vielleicht sollte man eine gute Mischung finden, ein arrogantes Nichtglückwünschen der Leute, die man nicht mag, ihnen dafür einen Korken an den Kopf knallen und Häppchen essen, die aussehen wie der Kopf von René Zellweger.

Wir, werteste Gefolgschaft, schreiben nun das Jahr 2007.

Und ich kann euch beruhigen, ich habe natürlich nicht allein gefeiert, sondern zusammen mit den allernettesten Menschen, mit denen man eigentlich Silvester verbringen kann, denn sie sehen weder aus wie René Zellweger, noch haben sie eine weltenübergreifende Organisation was Häppchen und eisgekühlten Sekt angeht. Und es war schön so, sogar trotz der mit sonst so wehleidigen Prinzipalprozeduren wie Bleigießen, „Dinner for one“-Gucken oder Sekttrinkerei, denn ein Gefühl der Vertrautheit, des Rituals machte sich in mir breit, eigentlich ganz angenehm. Anstatt sich mit einer Schar halbbekannter Leute zu unterhalten oder unter den Augen anderer zwanghaft zu tanzen, wird Pizza zusammengerollt und ohne Belag gegessen (der Gastgeber holte sie kühn zwischen die Beine geklemmt auf dem Roller ab – einen gedachten Applaus an dieser Stelle), wird möglichst lange möglichst dummes Zeug von sich gegeben und darüber gelacht und wird noch gute zehn Minuten vor Jahreswechsel schwitzend und inbrünstig Playstation gespielt. Vom Bleißgießen bzw. von dem, was bei jener heuchlerischen Methode der Zukunftsvoraussage herauskam, weiß ich, dass dieses Jahr für mich kein Zuckerschlecken wird.

4.1.07 12:34
 


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